Auf Fulda und Weser von Kassel bis Hameln im März 2026
Fahrtenleitung: Paul Grant · Text: Klaus Röben (Flensburg Roklub) · Fotos: Paul Grant, Konrad Steidel, Teilnehmer der Fahrt
1. Tag (11. 03.): Morgens machte sich eine bunt zusammengewürfelte Gruppe Ruderbegeisterter aus Flensburg, Schleswig, Elmshorn, Hamburg und Lübeck auf den Weg nach Kassel. Am Alster RV Hanseat wurden Elbe und Havel, zwei 3x+ verladen. Spätnachmittags fanden wir am Casseler Frauen RV gastliche Aufnahme, und eine reichliche Portion Chili con Carne aus der gut ausgestatteten Klubküche verwöhnte dann zum Abschluss des Anreisetages die Gaumen der Teilnehmer.

Der Casseler Frauen RV war das erste Quartier, mit Luma-Lager
2. Tag (12. 03.): Nach einem reichhaltigen Frühstück ging es mit viel Motivation und Vorfreude aufs Wasser, vorbei an der Orangerie, einem einsamen Schwimmer und den stummen Zeugen emsiger Bibertätigkeit am Ufer der Fulda. Ziel war der Mündener RV. Das „Umschiffen“ der ersten beiden von 4 noch nicht im Betrieb befindlichen Schleusen verlief mit Hilfe von Bootswagen problemlos. Am 3. Wehr entschloss sich die Mannschaft des Führungsbootes aufgrund extremen Niedrigwassers und starker Strömung dazu, das Wehr in Schussfahrt hinunterzufahren. Ergebnis: Es wurde mit dem Bug etwas Wasser übernommen, die Herzfrequenz der Besatzung erhöhte sich kurzfristig deutlich, aber Boot und Mannschaft kamen heil und sicher am Steg unterhalb des Wehres an, nicht zuletzt dank Steuermann Norbert, dessen langjährige Wanderrudererfahrung sich hier als wertvoll erwies. Am letzten Wehr leistete uns Pauls klappbarer Bootswagen gute Dienste. Leicht erschöpft, aber glücklich und zufrieden am Mündener RV angekommen, rundeten Spaghetti frutti di mare mit Weisswein den ereignisreichen Tag ab.

Das dritte Wehr wurde in Schussfahrt durchquert und bescherte der Mannschaft Wasser im Boot
3. Tag (13. 03.): Heute erwartete uns eine Langstrecke von 62 km durchs Weserbergland. Nachdem wir die Boote um eine letzte Schleuse herumgetragen hatten, ging es mit reichlich Strömung die Weser abwärts mit durchschnittlich 10 bis 11 km/h. Nachdem wir die nördlichen Ausläufer der Kasseler Berge hinter uns gelassen hatten, führte uns der mäandernde Fluss an idyllischen Orten wie Bodenfelde, Bad Karlshafen und Beverungen vorbei.
Die bewaldeten Steilhänge an den Außenkurven der Weser befanden sich noch im Winterschlaf; nur gelegentlich kündigte das erste zarte Grün einer Weide das Nahen des Frühlings an.

Das Anlegen am steinigen Ufer will gekonnt sein
Am Schwimmsteg in Blankenau angekommen brachte uns unser Shuttle Service zur Pension Fisch in Wehrden, die sich als vintage im Stil der 70er Jahre präsentierte. Nach einem köstlichen Abendessen in stilvollem Ambiente im Landhotel Weserblick (Beverungen) ließen wir den schönen Tag im Gemeinschaftsraum unserer Pension auf Chesterfield Sesseln entspannt ausklingen, umgeben von einer Mischung aus Eiche rustikal und Gelsenkirchener Barock (dass es so etwas überhaupt noch gibt?!).

Am ersten Rudertag war es noch relativ warm. 29 km bis Hannoverschmünden waren zu fahren
4. Tag (14. 03.): Bodenwerder, unser heutiges Etappenziel, war 52 km entfernt. Das Wetter wie am Vortag bewölkt mit leichtem Sprühregen bei 7°C. Als erste Sehenswürdigkeit am Wege grüßte Schloss Fürstenberg vom Steilhang an Steuerbord. An Höxter vorbei waren dann an Backbord – durch wie Zinnsoldaten aufgereihte Kopfweiden hindurch – die Türme von Kloster Corvey zu sehen. An der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen entlang ruderten wir dann weiter an Holzminden, Heinsen und Polle vorbei bis Bodenwerder.
Unsere dortige Unterkunft, Haus Hubertus, war etwas speziell: Der Kastellan (jede andere Bezeichnung wäre unter seiner Würde gewesen) stellte sich als übergewichtiger, leicht hinkender, schwere Zigarren rauchender Schöngeist mittleren Alters dar, der mit seiner alten Mutter und einer Siamkatze allein in dem riesigen, ansonsten leeren Haus am Hang lebte. Mit seinem schütteren Pagenschnitt, dem grauen 60er Jahre Anzug und der orange-farbenen Fliege schien er geradewegs einem alten Hitchcock-Film entsprungen zu sein. Sein trockener Humor rundete das Gesamtbild eines echten Originals ab, das den Vergleich mit dem Freiherrn von Münchhausen, dem wohl berühmtesten Sohn Bodenwerders, nicht zu scheuen brauchte.

Ein reichhaltiges Frühstück ist gut für die Stimmung
5. Tag (15. 03.): Erstaunlich, wie schnell eine schöne Zeit zu Ende geht: Nur 22 km trennten uns am Morgen noch von Hameln, dem Endpunkt unserer Wanderfahrt. Der Wettergott war uns hold, wie am ersten Rudertag kam wieder die Sonne durch, die Strömung half mit und so erreichten wir gegen Mittag den RV Weser Hameln von 1885.
Nach dem Abriggern, Putzen und Verladen der Boote stärkten wir uns noch bei einem Imbiss im Klubhaus, bevor es zurück nach Hamburg und dann weiter nach Flensburg ging.

Die aus Ruderern aus fünf Städten zusammengesetzte Gruppe
Fazit:
- Fulda und Weser mögen keine so spektakulären oder wild-romantischen Flüsse sein wie Rhein, Main oder Lahn, aber sie sind doch allemal des Ruderns wert.
- Dank des frühen Fahrttermins hatten wir die beiden Flüsse ganz für uns; andererseits waren Schleusen und Bootsrutschen noch nicht in Betrieb.
- Fels in der Brandung war einmal mehr unser Fahrtenleiter Paul: nicht aus der Ruhe zu bringen und immer da, wenn es einmal irgendwo hakte – vielen Dank dafür!
- Unser Dank gilt auch Thomas für den zuverlässigen Fahrdienst, sowie Ellen für das tolle Catering.
- Alles in allem: Es war ein gelungener, vielversprechender Auftakt in die Wanderruder-Saison 2026.

Der ARVH-Bootshänger wurde vom Landdienst Thomas mitgeführt








