Zwischen Seen, Schleusen und Schokoladentafeln

05.09.2025 | Kategorie:

Mit dem ARV Hanseat auf Wanderfahrt durchs Dalsland
Fahrtenleitung: Arne Thurich · Text: Lisa Schindler · Fotos: Teilnehmer der Fahrt

Wenn man sich ein perfektes Revier für eine Wanderfahrt ausmalen könnte, käme es dem schwedischen Dalsland wohl ziemlich nahe: klare Seen, bewaldete Ufer, rote Holzhäuser und genug Weite, um für ein paar Tage alles hinter sich zu lassen. Genau das haben wir getan: zehn Tage, drei Boote und neun Ruderinnen und Ruderer auf einer der schönsten Wasserlandschaften Nordeuropas.


Klare Seen, bewaldete Ufer und genug Weite, um alles hinter sich zu lassen

Köttbullar und fehlende Schrauben

In Ed trafen wir auf unsere Ruderfreunde Paul und Monika, die bereits eine zehntägige Wanderfahrt in den Schären von Västervik hinter sich hatten. Den Transport der Boote mit dem Hänger von Flensburg über Västervik bis zu unserem Treffpunkt hatten sie für uns übernommen – an dieser Stelle ein großes Dankeschön dafür!
Arne sorgte mit Köttbullar und einer vegetarischen Falafel-Variante gleich für beste Stimmung. Das Equipment wurde gecheckt und sortiert, die Schokoladentafeln gezählt. Am nächsten Morgen sorgten ein paar fehlende Schrauben der Stemmbretter für einen Moment der Improvisation, aber Probleme sind ja bekanntlich zum Lösen da und wir sind gut gelaunt gestartet.


Das unbeschadete Anlegen an steinigen Ufern wurde schnell zur Routine

Regen, Rückenwind und Aglio Olio

Die ersten Etappen führten uns auf dem Stora Le über Furustad und Guppviksön. Es regnete etwas, wir bauten das Tarp auf und genossen die leckerste Outdoor-Küche (Aglio Olio geht immer). Die Boote mussten auf felsigem Untergrund anlanden, und die Weiterfahrt am dritten Tag fiel sehr kurz aus, da starker Wind die Wellen sehr ungemütlich machte. Der Zielort für den Tag konnte also wetterbedingt nicht wie geplant angefahren werden. Stattdessen hieß es: flexibel bleiben und neue Plätze finden. Die Stimmung blieb trotzdem hervorragend, und alle freuten sich über einen entspannten Nachmittag an einer kleinen Bucht. Die Keksdose wurde ausgepackt, und es wurde Kaffee gekocht.


Die Gruppe v.l.n.r.: Paul Grant, Monika Kienaß (Flensborg Roklub), Markus Morick, Lisa Schindler, Uwe Matuszewski, Kerstin Lehmbecker, Vero Dörnte, Margit Sonntag (nicht im Bild: Fahrtenleiter Arne Thurich)

Schleusen, Seen und Lakritz

Eine Schleuse zwang uns zum Umplanen, da sie aufgrund eines Erdrutsches gesperrt war. Statt die Boote umzutragen, haben wir kurzerhand die Route angepasst – hanseatisch-pragmatisch. Wir fanden neue Ziele und erkundeten neue Lagerplätze – wilde Shelterplätze zogen wir jedem Campingplatz vor.
An einem Vormittag sorgte allerdings der Einkauf im „Maxi Markt“, bei dem wir nach Herzenslust Lakritz und Bier kauften, für beste Laune. Das Frühstück im Coffee-Shop „Espresso House“ war der Höhepunkt – endlich mal wieder zivilisiert sein. ;)

Shelter, Knoten und die letzte Etappe.

Von Foxen aus ging es weiter über die Schleuse bei Lennartsfors, die uns in drei Etappen auf den Lelång brachte. Nach Tagen in der Wildnis Schwedens fanden wir einen brandneuen und freien Shelterplatz – ein echter Luxusmoment. Mit dem Lelång erreichten wir den finalen See unserer Tour. Am Ende erwartete uns Bengtsfors. Wir sehnten uns jedoch nach noch mehr Abenteuer und wagten einen Abstecher auf den Västra Silen mit einem abenteuerlichen Schleusenvorgang bei Gustavsfors. Das Anlegen am ausgewählten Zielort war mindestens genauso herausfordernd, aber inzwischen waren wir im Anlegen unter erschwerten Bedingungen alle geschult.


Wir campten auf hohen Felsen mit Blick über den See

Die Aufregung hatte sich gelohnt: Wir campten auf hohen Felsen mit Blick auf einen wundervollen, ruhigen See und hörten den Möwen zu. Auch der leichte Regen am Abend konnte uns nichts anhaben: Das Lagerfeuer brannte, die Tarps waren gespannt und wir hatten das Glück, einen freien Shelter zu besetzen. An diesem Abend wärmten wir uns mit einem warmen Dal auf und übten anschließend im Nieselregen unermüdlich Knoten.

Die Rückfahrt führte über die bekannte Schleuse bei Gustavsfors, dieses Mal bei ruhigerem Wasser, zurück nach Bengtsfors, wo die Tour endete. Dort warteten heiße Duschen und die Zivilisation. Ein Teil der Gruppe trat die Rückreise direkt an, andere blieben noch, um Mittsommer in Schweden zu feiern.


Die Schleuse bei Gustavfors passierten wir auf dem Hin- und Rückweg

Fazit: Unvergesslich!

Arne und Dalsland haben uns alles geboten, was eine gute Wanderfahrt ausmacht: abwechslungsreiche Insel-Landschaften, die richtige Dosis Abenteuer, echtes Gruppengefühl, mal Sonne, mal Wind, mal Regen, aber IMMER das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Und wie bei jeder Fahrt blieb auch dieses Mal wieder einiges auf der Strecke – nicht nur Kalorien, sondern auch Schrauben, Stirnbänder und der letzte Rest des Schokovorrats. Dafür nehmen wir Erinnerungen mit, die bleiben. :)


Endlose Weiten!

Die schönste Insel? Vermutlich irgendwo bei Foxen mit einem endlosen Sonnenuntergang um Mittsommer und dem Gefühl, (fast) allein auf der Welt zu sein.

Tack, Dalsland. Vi ses!